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Zusammen sind wir weniger allein: Warum PiA-Vernetzung wichtig ist

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Mich hat es in meiner praktischen Tätigkeit über so manchen fiesen Moment hinweg getragen, zu wissen, dass da noch andere sind, die in der gleichen Situation sind oder waren und die solidarisch mit mir der Meinung sind, dass es anders sein sollte. Über viele Themen können wir uns in Emaillisten und auf Facebook austauschen – über Unklarheiten und Fragen zur Auswahl des Instituts oder der Prüfungsvorbereitung, über Erfahrungen an den Kliniken oder notwendigen Intervisionsbedarf. Für die deutschlandweit verstreuten PiAs, die vielleicht an ihrer Klinik oder auf ihrer Station die/der Einzige sind, entsteht so wieder eine Art Gefühl von Community, fast wie eine Klassengemeinschaft.

Wenn ich mich wiederholt um 5.00 Uhr morgens nach einer viel zu kurzen Nacht aus dem Bett gequält habe, um mit schwer depressiven Patienten zu arbeiten (die genauso wenig schlafen wie ihre PiA-Behandlerin), dann hat es mir auf eine sinngebende Art und Weise geholfen, mich dafür einzusetzen, dass diese Verhältnisse sich ändern. Zwar arbeitet derzeit vor allem die Politik an der Veränderung der Ausbildungssituation – aber das auch nur, weil sie jahrelange Proteste von PiA und Psychologie-Studierenden immer wieder an die Notwendigkeit erinnert haben. Diese Proteste sind aus dem Unmut entstanden, den wir mit uns herumtragen müssen, und aus der Vernetzung, z.B. in einem PiA Forum (Berlin) oder bei verdi (Hamburg) und auch mit der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo). Dabei ist es immer wieder frustrierend zu merken, dass das Engagement entweder nur hinter verschlossenen Verhandlungstüren zum persönlichen Erfolg führt (wie bei einigen PiA, die dagegen geklagt haben, dass sie kein Gehalt bekommen) oder das Engagement sich erst so langfristig auszahlt, dass es einem selbst vermutlich nichts nutzt. So wie bei den Initiatorinnen des PiA-Politik-Treffens und den PiA, die in der Bundeskonferenz PiA der BPtK, kurz BuKo und als BuKo-Sprecher aktiv waren. Dennoch – von diesen beiden PiA-Zusammenschlüssen sind Stellungnahmen erarbeitet worden, die mit zunehmendem Interesse auch von der Politik aufgegriffen wurden. In Zeiten, in denen PiA noch in den wenigsten Berufsverbänden als Zielgruppe wahrgenommen wurden, haben wir uns schon für unsere Interessen eingesetzt, und das zeigt Wirkung. Inzwischen haben viele der Berufsverbände das Thema auch für sich entdeckt. Der bvvp setzt sich seit langer Zeit schon für eine Verbesserung der Bedingungen ein. Ganz aktuell wurde im bvvp außerdem das Junge Forum geschaffen, das auch an der Ausgestaltung der Ausbildungsreform mitarbeitet.

Besonders schön war für mich persönlich die über das PiA-Politik-Treffen organisierte Petition für PiA – die Welle der Solidarität von Passanten, die einem entgegenkommt, wenn man Unterschriften dafür sammelt, dass man in Zukunft nicht mehr als Akademikerin für einen Hungerlohn psychisch kranke Menschen behandeln muss. Es ist auf eine traurige Art schön, die eigene Erschütterung und Fassungslosigkeit auch bei anderen Menschen zu spüren. Sie reagierten oft anders als viele Menschen, die im Gesundheitssystem fest verankert und dadurch oft für die täglichen Nöte der PiA unempfindlich geworden sind. Für diese Momente der Menschlichkeit – und dieses Gefühl von Solidarität lohnt sich die Vernetzung mit anderen PiA – und langfristig dann hoffentlich auch, weil sie eine bessere Ausbildung und bessere Bedingungen für uns schaffen kann.

Über den Autor

Studium der Psychologie in Heidelberg und Berlin. Sie macht ihre Verhaltenstherapieausbildung für Erwachsene und die Fachkunde für Kinder und Jugendliche in Hamburg. Seit 2017 ist sie im bvvp, seit 2015 im Hamburger PiA Netz und dem PiA-Politik-Treffen aktiv.

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